Liposuktion
January 17, 2009 by admin
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Die Liposuktion ist der weltweit am häufigsten durchgeführte ästhetisch plastischchirurgische
Eingriff. In den USA unterziehen sich jährlich ca. 500 000 Patienten diesem
Eingriff, in Deutschland nach Auskunft der Vereinigung der Deutschen Plastischen Chirurgen jährlich ca. 200 000 mit steigender Tendenz. Im Volksmund gebräuchlich ist die Bezeichnung „Fettabsaugung“, wohingegen man sich in Fachkreisen inzwischen auf das Wort „lipoplasty“ also eher „Fett formen“ geeinigt hat.
Zur Geschichte der Liposuktion:
Der Wunsch nach einem schönen Körper besteht schon seit langem. Die ersten operativen Methoden zur Verminderung der ungeliebten Fettpolster waren ausgedehnte chirurgische Eingriffe, bei denen über einen Hautschnitt grosse Fettgewebsstücke herausgeschnitten wurden. Diese Methode hatte zum einen entstellende Narbenbildung zur Folge, zum anderen barg sie nicht unerhebliche Operationsrisiken.
In Frankreich wurde seit den 20-er Jahren eine Möglichkeit weiterentwickelt, diese Hautschnitte zu vermeiden. Dazu wurden zunächst Stahlkanülen in die ausgewählten Körperregionen eingebracht und so das Fett abgesaugt. Diese Methode hatte zur Folge, dass zwar keine grossen Narben entstanden, dass aber mit dem Fett gleichzeitig viel Blut abgesaugt wurde (etwas 50 Prozent des Aspirates* war Blut), und unter der Haut liegende Strukturen
wie Nerven, Lymphgefässe und das Bindegewebe verletzt wurden. Die maximal absaugbare Fettmenge beschränkte sich daher auf etwa 1500 ml, ansonsten mussten dem Patienten zum
Ausgleich des Blutverlustes Blutkonserven gegeben werden. Diese Technik wird auch als „trockene Technik“ bezeichnet.
Im Laufe der Jahre ging man dazu über, dünnere und längere Kanülen zu verwenden und in das Operationsgebiet vor der Absaugung verschiedene Kochsalzlösungen zu injizieren („nasse Technik“) und zusätzlich das Medikament Adrenalin*, das die kleinen Blutgefässe in der Region kurzzeitig zusammenzieht, d.h. es fließt weniger Blut hindurch und blutet weniger.
Dadurch vergrösserte sich die absaugbare Menge. 1987 präsentierte J. Klein aus den USA die heute gebräuchlichste Methode der nassen Technik. Dabei fügte er dem Kochsalz-Adrenalingemisch ein Lokalanästhetikum (Lidocain) hinzu, ein Medikament zur örtlichen Betäubung. Da eine grosse Menge dieses Flüssigkeitsgemisches injiziert wird und das zu
operierende Gebiet dabei ziemlich anschwillt, wird diese Technik auch Tumeszenztechnik (tumescere (lateinisch) = schwellen) genannt. Der Blutverlust beträgt hierbei nur noch ca. 1 % der abgesaugten Fettmenge. Erfolgt die Operation nur mit dieser örtlichen Betäubung (also
ohne zusätzliche Vollnarkose), spricht man auch von Tumeszenz-Lokalanästhesie*, kurz TLA. Wird bedeutend mehr Flüssigkeit injiziert als später abgesaugt, spricht man von der Super-Tumeszenz, oder Superwet Technik. Auf der Tumeszenztechnik basierend entstanden in
den letzten Jahren einige Weiterentwicklungen, die grösstenteils die Zusammensetzung oder die Menge der Tumeszenzlösung veränderten, aber auch neue Methoden, um das Fett besser
zu lösen und weniger Schaden im betroffenen Gewebe zu verursachen. Der Erhalt des bindegewebigen Grundgerüstes ist wichtig für optimalen Heilungsverlauf.
Hierzu zählen zum Beispiel die vibrationsassistierte Liposuktion, bei der eine vibrierende
Kanüle benutzt wird, durch die feste Strukturen wie Nerven und das Bindegewebe geschont
werden, und nur das gelockerte Fettgewebe abgesaugt wird. Diese Methode kann die Fettentfernung fibröser* oder voroperierter Areale erleichtern.
Eine zusätzliche Mobilisierung des Gewebes kann auch durch Ultraschallapplikation entweder von extern oder durch die Kanüle erreicht werden.
Heute werden mehrere auf der Tumeszenzmethode basierende Techniken verwandt. Bezüglich der angewandten Methode, ob Wet, Superwet, mit oder ohne zusätzliche instrumenteller Hilfe, mit oder ohne zusätzliche Vollnarkose, kann keine generell gültige Empfehlung ausgesprochen werden: sie muss vom Arzt individuell auf den Patienten und den geplanten Eingriff abgestimmt werden. Wer führt Liposuktionen durch?
Trotz teils heftiger Auseinandersetzungen und Besitzansprüche innerhalb der verschiedenen Berufsgruppen hat keine dieser das alleinige Recht, Liposuktionen durchzuführen. So waren an der Entwicklung der Tumeszenztechnik grösstenteils Dermatologen* beteiligt, die Methode beherrschen aber Ärzte verschiedener Fachrichtung wie Plastische Chirurgen, Hals-Nasen-Ohren Ärzte, Gynäkologen*, Mund-Kiefer-Gesicht-Chirurgen.
Für wen ist Liposuktion geeignet?
Grundsätzlich muss man unterscheiden zwischen medizinischer Indikation und nicht medizinischer Indikation.
Eine medizinische Indikation besteht verhältnismässig selten, der Eingriff ist dann kassenleistungspflichtig. Hierbei handelt es sich zumeist um Patienten, die an einer als krankhaft eingestuften Fehlverteilung oder -bildung ihres Fettgewebes leiden. Hierzu zählen beispielsweise Patienten mit Lipomen, Lipomatose (zahlreiche gutartige Tumore aus
Fettgewebe, die sich im ganzen Körper bilden können), und Gynäkomastie (Brustbildung bei Männern).
Nicht medizinische Indikation: der Hauptgrund aller durchgeführter Liposuktionen ist eindeutig ästhetischer Natur. Es muss darauf hingewiesen werden, dass die Liposuktion keine geeignete Methode zur Gewichtsreduktion und kein reines Entfettungsverfahren ist. Vielmehr dient die gezielte Behandlung einzelner Areale zur Harmonisierung der Körperkontur. Dabei
ist die Liposuktion am erfolgreichsten bei normalgewichtigen Patienten, die ein lokalisiertes (oftmals genetisch fixiertes) diät- und trainingsresistentes Fettpolster haben.
Die besten Ergebnisse lassen sich bei dem sogenannten Reithosensyndrom erreichen. Hierbei handelt es
sich um lokalisiertes Fettgewebe an Hüfte, Bein und Gesäss.
Patienten mit einem Body Mass Index (BMI) über 30 wird keine Liposuktion empfohlen.
Der BMI errechnet sich wie folgt:
Dies bedeutet, eine Person mit einer Körpergröße von 1,60 m und einem Körpergewicht von
60 kg hat einen BMI von 23,4. [60 : (1,6 m)2 = 23,4]
Der Body Mass Index Rechner online: http://www.chirurgie.de/body-mass-index-rechner.html
Eine Erklärung der mit einem * versehenen Begriffen finden Sie im Glossar auf Seite 6
Am häufigsten wird der Eingriff in absteigender Reihenfolge durchgeführt an Abdomen
(Bauchwand), äusseren Oberschenkeln, Hüfte, Gesäss und Kinn, er ist aber prinzipiell überall
dort möglich, wo Fettgewebe subkutan* lokalisiert ist, also von den Wangen bis zu den
Knöcheln. Die Erfahrung hat allerdings gezeigt, dass einige Regionen unproblematischer
abzusaugen sind und dort aufgrund günstigen Retraktionsverhaltens (gewebsstraffender
Effekt) ästhetisch hochwertige Ergebnisse leichter zu erzielen sind als in anderen.
Neue Indikationen: Cellulite (=“Orangenhaut“ mit Dellenbildung): Hier bildet sich nach
Absaugung der tiefen Fettschichten eine dreidimensionalen „Narbe“ aus, die einen
Retraktionseffekt* mit Glättung der Oberfläche zur Folge hat.
Lipödem (betrifft ausschliesslich Frauen): Hierbei kommt es zu einer Vermehrung und zu
ödematösen* Veränderungen des Unterhautfettgewebes mit Fettverteilungsstörungen
insbesondere der Ober- und Unterschenkel. Dabei besteht eine Diskrepanz zwischen den
dicken Armen und Beinen und dem relativ schlanken Stamm.
Axilläre Hyperhidrosis (vermehrtes Schwitzen unter den Armen).
Was genau passiert bei der Operation?
Vor der Operation zeichnet der Operateur mit einem wasserfesten Stift die Fettdepots an, die
verkleinert oder entfernt werden sollen. Dabei werden häufig Kreise wie auf Landkarten
gezeichnet, um in diesen Bereichen ein gleichmässiges Absaugen zu gewährleisten.
Die Operation selbst findet unter sterilen Bedingungen statt, d.h. das Operationsgebiet wird mit
einer Desinfektionslösung gereinigt und andere Körperbereiche werden abgedeckt. Ärzte und
Schwestern, die sich im Raum aufhalten, tragen Handschuhe und Schutzkleidung. Die
Patienten sind je nach Narkoseform wach (Operation in TLA, s.o.) oder schlafen (Operation in
Vollnarkose).
Der Eingriff beginnt mit der Einbringung von Mikrokanülen über minimale Hautinzisionen
von ca. 5 mm. Über diese Kanülen wird die Tumeszenzlösung subkutan unter Druck injiziert.
Während einer Wartezeit von ca. 30 Minuten bis 1,5 Stunden homogenisiert die
Tumeszenzlösung den Fettgewebsraum. Das verflüssigte Fettgewebe wird dann zusammen
mit der Tumeszenzlösung abgesaugt. Hierfür werden Kanülen verwendet, die je nach
Körperregion, Aspiratmenge und nicht zuletzt Vorlieben des Arztes zwischen 2 und 6 mm
dick sind, eine oder mehrere Öffnungen an der Spitze haben oder sogar mit einem kleinen
Motor betrieben werden. Empfohlen wird heute, eine Fettabsaugmenge von 4000 ml nicht zu
überschreiten. Werden mehr als 6000 ml Fett abgesaugt, bezeichnet man den Eingriff als
Megaliposuktion. Es gibt Berichte von Patienten, denen 20 Liter Fett abgesaugt wurden! Diese
Eingriffe dürften mit einem erheblich erhöhten Risiko behaftet sein und haben postoperativ in
der Regel eine intensivmedizinische Kontrolle als Vorraussetzung.
Ist die gewünschte Fettmenge entfernt, werden noch im Operationssaal
Kompressionsbandagen angelegt. Diese sollen eine grössere Blutergussbildung und
Schwellung verhindern. Nach einem Verbandswechsel am nächsten Tag müssen die Patienten
dann ein Kompressionsmieder tragen, je nach Grösse und Ort des Eingriffs bis zu 4 Wochen,
Tag und Nacht, um eine (erwünschte) Vernarbung und somit ein Zusammenziehen des
verbliebenen Gewebes zu gewährleisten. Zusätzlich kann eine Thromboseprophylaxe durch
Heparininjektion erfolgen. Je nach Bedarf erhalten die Patienten schmerzstillende Mittel.
Komplikationen und unerwünschte Ergebnisse der Liposuktion:
Heutzutage gilt die Liposuktion als ein relativ sicherer Eingriff, aber es wird in den Medien
und in der Fachliteratur immer wieder auf Todesfälle hingewiesen, die im Zusammenhang mit
einer vorangegangenen Liposuktion stehen. Die offizielle Mortaliät wird mit 1/5000 Patienten
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angegeben, d.h. 19,1/100 000. Im Vergleich dazu beträgt die Mortalität einer normalen
Leistenbruch-Operation lediglich 3/100 000. Genaue Angaben sind allerdings schwer zu
erheben, da es sich bei den beschriebenen Todesfällen um Einzelfälle handelt, die
unterschiedlich grosse Eingriffe hatten, verschiedene Narkoseverfahren und verschiedene
Nebenerkrankungen, so dass man die Daten sehr vorsichtig interpretieren muss.
Komplikationen sind allerdings wie bei jeder anderen Operation zu erwarten. Sie werden
eingeteilt in leichte und schwerwiegende Komplikationen.
Zu den leichten Komplikationen zählen Ödembildung, Schmerzen, Hämatom*, Serom (eine
Ansammlung von Lymphflüssigkeit), lokalisierte Wundinfektionen oder anhaltende Taubheit
im betroffenen Areal. Es können Konturunregelmäßigkeiten der Haut bei zu oberflächlicher
oder ungleichmässiger Suktion* oder falscher Kanülenwahl auftreten.
Daneben kann es zu Unverträglichkeitsreaktionen mit dem örtlichen Betäubungsmittel
Lidocain kommen, besonders wenn es in hohen Dosen in den Kreislauf gelangt.
Zu den schwerwiegenden Komplikationen zählen Infektionen, die aus dem Operationsgebiet
heraus fortschreiten und z.B. zu nekrotisierender Fasziitis (eine gefährliche Entzündung der
Muskelhüllen) oder dem Toxic Shock Syndrom (einer Vergiftung mit Bakterietoxinen*)
führen können. Bei den meisten Eingriffen werden daher prophylaktisch* Antibiotika
verordnet. Bei abdominaler* Fettabsaugung kann die Kanüle zu tief vordringen und eine
Bauchwand- oder gar Darmperforation verursachen.
Da bei der Liposuktion erhebliche Flüssigkeitsmengen in den Kreislauf eingebracht werden,
kann sich bei kreislaufgeschwächten Patienten mit Herz- oder Lungenproblemen ein
Lungenödem entwickeln. Ausserdem kann sich nach der Operation eine Hypothermie
(erniedrigte Körpertemperatur) einstellen. Wird von dem abgesaugten Fett etwas in die Lunge
eingeschwemmt, kann eine Lungenembolie entstehen.
Diese schweren Komplikationen sind sehr selten. Schwellung und Hämatom 48 bis 72 h nach
der Operation sind allerdings zu erwarten. In der Literatur wird die Komplikationsrate mit 0,1
– 9,3% angegeben. Bei Einhaltung der geltenden Leitlinien darf die Tumeszenz-Liposuktion
als ein sicheres und komplikationsarmes Verfahren bezeichnet werden, das weitgehend
vorhersagbare, ästhetisch zufriedenstellende Ergebnisse liefert.
Was muss der Patient zum Erfolg beitragen?
Der Erfolg einer Liposuktion stützt sich auf vier Säulen:
1.) die Operation
2.) eine gesunde Ernährung
3.) ausreichend Bewegung
4.) ein stabiles soziales Umfeld, das den Patienten unterstützt
Die Hauptlast des Erfolges, drei der vier genannten Faktoren, lastet auf den Schultern der
Patienten. Es ist wichtig, vor der Operation realistische Erwartungen bezüglich des Eingriffes
zu etablieren. Mit der Operation alleine ist vielen Patienten nicht geholfen. In einer kürzlich
durchgeführten Studie an 700 Patienten mit Liposuktion gaben 43% der Befragten an, nach
der Operation zugenommen zu haben. Diese Patienten waren über das Ergebnis der
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Liposuktion eher unglücklich oder enttäuscht als diejenigen, die nicht zugenommen hatten.
Um einen dauerhaften Erfolg wahrscheinlicher zu machen, empfiehlt sich das Hinzuziehen
eines Ernährungsberaters zur Ernährungsumstellung und eines persönlichen Trainers zum
Erstellen eines realistischen Trainingsprogrammes mit regelmässigen Erfolgskontrollen. Das
soziale Umfeld des Patienten sollte über diese Programmpunkte informiert sein und durch
positives Feedback zum Erfolg beitragen.
Wie zufrieden sind die Patienten?
Die Zufriedenheit der Patienten glaubhaft zu messen ist schwierig. Erst kürzlich wurden dazu
in den USA Studien durchgeführt, bei denen die Patienten über einen Zeitraum von sechs
Monaten nach ihrem Eingriff zu verschiedenen Parametern befragt wurden. Die Fragebögen
konnten anonym zurückgeschickt werden.
Von ca. 700 befragten Patienten gaben 95 % an, innerhalb der ersten sieben Tage nach dem
Eingriff wieder in den normalen Alltag zurückgekehrt zu sein, davon 70% innerhalb der ersten
drei Tage. 4 % benötigten dazu mehr als sieben Tage, hatten aber größtenteils auch
ausgedehntere Eingriffe hinter sich.
Das Befinden während der Operation benoteten 75% der Patienten mit Note 1 oder 2, 1% gab
die schlechteste Note 5.
Nach 6 Monaten waren 84% der Patienten sehr oder überwiegend mit dem Ergebnis der
Operation zufrieden, 4% waren unzufrieden.
Auf die Frage, ob sie die richtige Entscheidung getroffen hätten, antworteten 88-91% ja,
4-6 % würden sich im Nachhinein anders entscheiden.
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Glossar (in alphabetischer Reihenfolge):
*abdominal: die Bauchwand betreffend
*Adrenalin: Handelsname lautet auch Epinephrin, Wirkung siehe Text
*Aspirat: abgesaugtes Material, also im Falle der Liposuktion Fett und Flüssigkeit
*Bakterientoxine: Gifte, die von bestimmten Bakterien produziert werden können
*Dermatologe: Hautarzt
*fibrös: Gebiete mit vermehrtem Bindegewebe
*Gynäkologe: Frauenarzt
*Hämatom: Bluterguss
*Lokalanästhesie: örtliche Betäubung
*ödematös: durch Ansammlung wässriger Flüssigkeit im Gewebe bedingt
*prophylaktisch: vorsorglich, vorbeugend
*Retraktion: Straffung, Zusammenziehen
*subkutan: unter der Haut befindlich
*Suktion: Absaugung
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